Ich war stets für Dich da

Immer war ich für Dich da,
immer erreichbar,
immer mit Zeit,
immer mit einem offenen Ohr.

Nie sagte ich ein Treffen ab,
nie beschwerte ich mich über stundenlange Telefonate,
nie war ich Dir wegen irgendetwas böse,
nie ließ ich Dich allein.

Nie fühlte ich mich geborgen,
nie fühlte ich mich unterstützt.

Immer fühlte ich mich wie eine Puppe, programmiert von Dir,
immer wieder Rückschläge, die ich akzeptierte und nach vorn blickte,
immer gedacht, dass man von dir etwas lernen könne,
immer auf mein Herz gehört, den Kopf ausgeblendet.

Danke, dass du mir lang’ genug gezeigt hast, dass Du der Liebe nicht wert bist.

Bahnunglück

Der folgende Text entstand in einem Zeitraum von etwa 45 Minuten.

Kurze Zeit, bevor diese Buchstaben hier aneinander gereiht werden, habe ich erfahren, dass der Zug, in dem ich saß, einen Menschen überfahren hat.

Die Nachricht kam wie ein Schlag.

Natürlich wusste erst mal niemand, was zu tun ist, wurden alle Zugbegleiter doch zunächst zum Lokführer gebeten. Die Fahrgäste somit mit allen Problemen, die womöglich entstehen könnten, allein gelassen.

Kurze Zeit später war die Polizei da.

Noch immer wusste niemand, was zu tun ist. Die Weiterfahrt verzögerte sich selbstverständlich auf nicht zu benennende Zeit. Die Menschen telefonierten, redeten, doch bei den meisten war dieses Unwissen zu spüren. Diese Unwissenheit, was passiert ist.

Es kam eine Durchsage, dass die Person, die überfahren worden sein soll, plötzlich weg ist. Quasi wie vom Erdboden verschluckt. Erneute, genauere Kontrolle. Man bitte um ein bisschen mehr Geduld.

Plötzlich bewegte sich der Zug wieder und die Fahrt ging weiter. Zumindest für kurze Zeit, ehe wir wieder stehen.

Weiterfahrt. 45 Minuten Verspätung.

Ich wechselte den Zug, um die möglichst kürzeste Verspätung zu haben. Im Endeffekt. Dank meines Bundeswehrfahrscheines ging das problemlos.

Ich schaue Dich an

Ich schaue Dich an,
ein fremder Mensch.

Soziale Ader verstopft,
Verachtung erlangt.

Andere Freunde machen einen anderen Menschen,
geliebte Menschen verloren.

Egoistische Blindheit erlangt,
Hilfe umgehend abgelehnt.

Ich sehe einen fremden Mensch,
einen verachtenswerten Menschen.

ICH. LIEBTE. DICH.

Alleinsamkeitsformeln

Ohne Treffen Lebensgeschichten ausgetauscht. Erfahrung des Anderen nicht im Angesicht wahrnehmen. Man kennt das schon, ehe man das erste Mal die Zeit für sich hat. Entfernung und moderne Kommunikationsmittel zerstören zarte Annäherungsversuche. Was beim Treffen noch fehlt, sind körperliche Gemeinsamkeiten. Rumgeficke, um den Anderen vermeintlich zu kennen. Interesse verfliegt schneller als sie gekommen. Der Gewissheit offenbar bekannt, dass dies keine Zukunft sein kann. Gedachtes Kennen. Denken in Schubladen. Grenzen ziehen. Veränderungen gar nicht erst in Betracht ziehen.

Kaum abgeschlossen, werden Gefühle ignoriert. Man möchte bestehende, gute Dinge nicht auf das Spiel setzen. Man denkt, dass das Bestehende anhalten kann, eine neue Ebene aber nicht. Dafür aber in gefährlichere Abenteuer stürzen. Neue Schmerzen erfahren.

Die Logik der Menschheit werde ich wohl nie verstehen.